Wir stehen nun hier. Ach dem Plan wird es eine ME mit sechs Doppelstockwagen und so 180 Meter lang sein.
Und wir stehen zwischen der 180 und 200 Meter Markierung.
Lokomotivführer Ove Larsen soll heute arbeiten. Er steht im Schatten unter der Tietgens Brücke und wartet auf
den Regionalzug nach Kalundborg, der in die große Bahnhofshalle kommen soll.
Eine halbe Stunde vorher war er durch die weiße Tür in die Büroflure des Gebäudes welches längst der
Barnstorffsgade liegt gegangen. Im ersten Stock trug er sich über einen Computer für die Arbeit ein.
Er hatte noch Zeit seine Post zu kontrollieren - zwei Lohnabrechnungen und eine Einladung zu einem Mitarbeiterfest im Krug von Viby :
- Das haben wir dafür ausgesucht, denn es ist ein gutes Lokal.
Der Umgangston zwischen vielen Lokführern, die Ove Larsen am diesem Nachmittag antraf, ist freundschaftlich und munter.
Über eine andere Treppe ging Ove Larsen mit anderen Kollegen runter in den Tunnel, der den ganzen Bahnhof, die Gebäude und
Bahnsteige, verbindet. Ove Larsen ging dann auf den Bahnsteig mit den Gleisen 7 und 8. Normalerweise fährt der Zug von Gleis 8,
aber heute war die Abfahrt auf Gleis 6. So war es gut das man fünf Minuten früher kam, und 15.34 Uhr stand Ove Larsen auf
seinem Platz unter der Tiedgensbrücke am Gleis 6, mitten zwischen der 180 und 200 Meter Markierung.
Die blaue Me kommt „bullernd „ herein unter die Bahnsteighalle und als der Zug stand, drehte der Motor dröhnend hoch,
um dann in den Leerlauf überzugehen. Das ist eine spezielle Besonderheit der Me und kommt von der Nutzstrombremse Bremse.
Es ist nun fünf Minuten bis zur Planabfahrt. Fünf Minuten um den anderen Lokführer zu begrüßen, die Tasche,
Jacke und Schlüssel an ihren Platz zu bringen.
-Ich benutze Ohrenschutz, denn ich möchte keinen Tinnitus bekommen vom Dröhnen des Motors.
Ove Larsen findet die kleine Schachtel mit dem Gehörschutz vorne in der Tasche. Es sind keine Pfropfen.
Kurz danach hört man ein hohes Summersignal, der das Motorgeräusch übertönt.
Ein langer und ein kurzer Ton ist das Signal des Zugführers zur Abfahrt und Ove Larsen dreht das schwarze Handrad in Richtung
Fahrstufe 8 und die Geschwindigkeitsanzeige, die mit roten Zahlen auf der rechten Seite des Führertisches erscheint,
steigt nun an. Ove Larsen lehnt sich nun zurück in seinen Sitz.
Der Führertisch ist breit und übersichtlich, mit Tachometer und eine Reihe anderer Anzeigen.
Darunter die für die Luftdruckbremsen in der Mitte, die ATC-Zugsicherungsanzeigen auf der linken Seite und auf dem nicht schrägen Teil des Führertisches ist der Platz für den Dienstfahrplan und eine Tasse Tee aus der Thermoskanne. Der große amerikanische 16 Zylinder Dieselmotor, der auf der anderen Seite des Lokkastens liegt, dröhnt unter den ansteigenden Umdrehungen auf. Recht schnell beginnt sich nun der große Zug mit den sechs gut besetzten Doppelstockwagen in Bewegung zu setzten und kullert über die vielen Weichen und Kreuzungen der Gleisanlagen des Hauptbahnhofs von Kopenhagen. Der Regionalzug ist auf seinem richtigen Weg raus aus dem Gleisgewirr und fährt in Richtung Valby.
Der erste planmäßige Halt ist nun in Valby und es folgen Höje Taastrup, Roskilde und Lejre.
Der zwischen dem Bahnhof von Lejre und Hvalsö führt durch eine schöne Landschaft mit vielen Bäumen die jetzt
zum Herbst in allen den prächtigen Farben dieser Jahreszeit leuchten. Gelb, Rotbraun und Dunkelgrün ist die Pracht,
aber diese fällt dann auch herunter von den Bäumen und diese fallen auf die Schienen und werden auf die Gleise geweht.
Damit wird es glatt auf den Schienen und die Räder haben es schwer richtig zu greifen.
Ove Larsen sandet nun vor Abfahrt und die Me 1521 läuft etwas unruhig und die Räder wollen mehrfach durchgehen bei der
Ausfahrt im Bahnhof Lejre. Der automatische Schleuderschutz aber verhindert ein vollständiges Durchdrehen der Räder beim
Anfahren und es im Führerstand zu merken das Sie in Aktion ist.
-Es ist aber gut das wir auch noch die Besandungsanlage auf der Lok haben, denn in Lejre ist es sonst nicht einfach einen schweren
Zug dort in Gang zu bringen, wenn die Schienen glatt sind. Aber an diesem Herbsttag hat unser Zug keine Probleme und nach einem Halt in
Töllesö geht es durchgehend nach Holbaek.Hier ist der Oberbau richtig gut und man kann es merken das sie es sind.
Die Lok fährt, als ob sie schwebt. Ansonsten war es einmal ein Problem mit der Mangelenden Laufruhe der Me Loks.
Am Anfang fuhr die Lok sehr unruhig, bis man Schlingerdämpfer einbaute.
Die Schlingerdämpfer sind waagerechte Stoßdämpfer, die zwischen den Drehgestellen und dem Lokkasten eingebaut sind.
Danach fuhren die Me gut. Einen guten Teil der kleinen Fehler wurde abgestellt, auch welche bei den elektrischen Bremsen und das man
bis dann nur mit der konventionellen Klotzbremse richtig abbremsen konnte.
Die Me ist die letzte große Diesellok den die DSB beschaffte und ich bin der Meinung das man sie nicht ausmustern oder
verkauft sollte, wenn die in Italien gebauten IC4 Züge in Fahrt kommen. Das macht sich bei einer so gut laufenden Lok nicht
bezahlt, auch wenn die jetzt noch mit ME und Bn Wagen auf Seeland fahrenden Wendezüge durch die neuen IC 4 freiwerdenden IC3
ersetzt werden sollen. Aber so lange die italienischen IC4 immer noch nicht in Dienst kommen bleiben die ME weiter unentbehrlich
für die Regionalzüge in Seeland.
Nach dem Bahnhof Holbaek befinden wir uns nicht mehr auf einer von der ATC überwachten Strecke.
Und Ove Larsen muss nun selbst aufpassen das der Zug nicht schneller fährt als zugelassen. Auf den mit ATC
(Automatic Train Control = automatische Zugüberwachung!) ausgerüsteten Strecken sorgt die ATC dafür das der
Zug nicht schneller wird, als es die Signalisierung zulässt. Der Lokomotivführer kann an einem dünnen Strich auf der
ATC-Tachometer-Anzeige, die auf der linken Seite liegt, erkennen, wie es auf der vorausliegenden Strecke mit der Signalstellung
aussieht. Aber eben, nur wenn die Strecke auch damit ausgerüstet ist. Ohne ATC ist der Lokführer darauf angewiesen
die örtlichen Signale, die rechts am Gleis stehen zu sehen und die damit verbundenen Informationen für ihn.
So kann es durchaus geschehen das es zu Verspätungen kommt, wenn der Lokführer erst im letzten Augenblick sehen kann,
was für ein Signalbild für ihn gültig ist., denn er muss ja ggf. den Zug bis zum Signal auch noch anhalten können.
Aber an unserem Herbstnachmittag ist die Sicht gut und das Wetter klar, nur das Problem mit dem Ausfahrsignal von Vaerslev bleibt,
wie Ove Larsen während der Fahrt meinte. Der ferngesteuerte Kreuzungsbahnhof, der außerhalb von Kalundborg liegt.
Er liegt in einer unübersichtlichen Linkskurve und der zu kreuzende Zug nach Holbaek hält gerade auf dem Gleis 2.
Und verdeckt damit das Signal, so das die erste Möglichkeit es zu sehen nur 100 Meter vor der ME 1521 entfernt ist.
Das blinkt aber grün und das schwarze Schaltrad wird wieder auf Stufe 8 gedreht und der Regionalzug kann so rechtzeitig nach
Kalundborg kommen.
Nun hier können wir bei der Einfahrt in den Bahnhof nur mit 40Km/h fahren.
Das ist aber erforderlich, weil es ein Endbahnhof ist und alle Gleise an Prellböcken enden.
So ist ein Sicherheitsabstand und evtl. schnelles anhalten erforderlich. Die Me schleicht so nun über die Weichen des
Bahnhofs Kalundborg. Auf der rechten Seite liegt das Bahnbetriebswerk und die Waschhalle, in der die Regionalzüge gereinigt werden.
Auf der linken Seite der Güterbahnhof, auf dem es aber sehr trist aussieht.
Nur drei Güterwagen stehen dort und davon sind auch noch zwei Bahndienstwagen von Banedanmark.
Vor einigen Jahren standen hier massenhaft Güterwagen, aber heute stehen die Transportmittel auf der anderen Seite des Zauns.
Ove Larsen weißt auf die vielen Lastwagenauflieger hin, die neben den Gleisanlagen stehen und auf die Fähre nach Aarhus
warten. Kurz darauf hält der Zug an, nur wenige Meter vor dem Prellbock, an dem das Gleis 1 endet.
1 Sekunde bevor der Zug hält drückt Ove auf einem schwarzen Knopf, mit der er die Türblockierung aufhebt.
Er liegt auf der rechten Seite und er gibt damit auch an dieser Seite des Zuges die Türen frei.
Das kann er, aber nur wenn der Zug eine Geschwindigkeit unter 5 Km/h erreicht hat, sonst geht es nicht.
Die Tour hat damit für Ove Larsen ein Ende gefunden, aber noch nicht so ganz.
Denn die Zuggarnitur kann nicht auf dem Gleis 1 bleiben und er muss nun an das andere Zugende gehen,
wo der letzte Wagen der Steuerwagen ist. So fährt nun Ove die Zuggarnitur über die Weichen zurück auf ein
Abstellgleis neben der Waschhalle, auf der der Zug für den nächsten Tag gereinigt werden kann.
Wir gehen nun zurück zur ME 1521 um den Motor abzuschalten und suchen einen Rangierer vom Bahnhof, der die Lokomotive und
den Zug an die Vorheizanlage anschließt. Mit Strom wird nun die Lokomotive und der Zug vorgeheizt und mit Energie für
die Türsteuerung versorgt. Die Reiniger müssen ja noch in den Zug kommen können, um zu arbeiten.
Das ganze Rangieren und das Abrüsten des Zuges dauert so eine viertel Stunde. Und danach ist Zeit für eine Pause.
Text und Bilder von Martin Wilde – Übersetzung Christian Fricke . Copyright ©: Martin Wilde & hobby trade.